
„Leider konnten wir nichts mehr für ihn tun“: Bruno Kramm stirbt mit 58 Jahren direkt nach seinem Konzert
Die Gothic- und Industrial-Szene trauert um Bruno Kramm. Der Musiker, Produzent und Mitbegründer der Band „Das Ich“ ist im Alter von 58 Jahren in Spanien gestorben. Wenige Augenblicke zuvor hatte er noch gemeinsam mit seinem langjährigen Bandkollegen Stefan Ackermann auf der Bühne gestanden. Kurz nach dem Konzert in Granada brach Kramm in den Umkleideräumen des Konzertsaals zusammen.
Für den Musiker kam jede Hilfe zu spät. Rettungskräfte und Polizei wurden alarmiert, konnten ihn jedoch nicht mehr wiederbeleben.
Für Bruno Kramm sollte der Abend zunächst ein weiterer Auftritt mit seiner Band „Das Ich“ werden. Gemeinsam mit Stefan Ackermann stand der Musiker am späten Freitagabend, den 25. September 2026, im spanischen Granada auf der Bühne. Die beiden verband nicht nur eine jahrzehntelange musikalische Zusammenarbeit. Gemeinsam hatten sie „Das Ich“ Ende der 1980er-Jahre gegründet und die Band zu einem wichtigen Namen der deutschen Gothic- und Industrial-Szene gemacht.
Nach dem Konzert zog sich Kramm in die Umkleideräume des Konzertsaals zurück. Dort kam es wenig später zu dem medizinischen Notfall. Ein Augenzeuge wählte den Notruf, nachdem der Musiker zusammenbrach. Er berichtete, der Musiker drohe zu ersticken und sei nicht mehr ansprechbar. Die andalusischen Rettungskräfte wurden alarmiert und trafen gegen Mitternacht am Konzertort ein. Sie konnten jedoch nichts mehr für den 58-Jährigen tun. Nach ihrem Eintreffen konnte er nicht mehr wiederbelebt werden und sie konnten nur noch sein Tod feststellen.
Veranstalter nimmt Abschied
Die Nachricht von Kramms Tod wurde unter anderem vom Veranstalter Distortiongirl Eventos öffentlich gemacht. Auf Instagram teilte das Unternehmen die traurige Nachricht mit. „Am Boden zerstört und mit schwerem Herzen muss ich mitteilen, dass Bruno Kramm, Mitglied der Band Das Ich, nach seinem Konzert in Granada verstorben ist. Leider konnten wir nichts mehr für ihn tun“, hieß es in der Mitteilung.
Für die Anhänger der schwarzen Szene kam die Nachricht überraschend. Kramm war kurz zuvor noch auf der Bühne gestanden und ein Konzert gespielt. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder. Nach den vorliegenden Informationen laufen bereits Vorbereitungen, um den Leichnam nach Deutschland zu überführen. Dort soll Kramm beigesetzt werden.

Bruno Kramm bei einer Veranstaltung am 30. Juli 2013 in Berlin | Quelle: Getty Images

Bruno Kramm von der deutschen Band „Das Ich“ bei einem Konzert am 27. Februar 2016 | Quelle: Getty Images
Die spanische Nationalpolizei leitete nach den bisherigen Informationen keine strafrechtliche Untersuchung ein. Nach Angaben der Behörden geht man von einer natürlichen Todesursache aus. Gleichzeitig sind die genauen Umstände des Todes in den Berichten noch nicht abschließend beschrieben. BILD berichtet, Kramm habe zuvor als gesund gegolten und keine Anzeichen für eine lebensbedrohliche Erkrankung gezeigt.
Fest steht nach den bisherigen Angaben, dass der Musiker nach dem Konzert über Atemnot klagte, das Bewusstsein verlor und anschließend in den Räumlichkeiten des Konzertsaals zusammenbrach. Für seine Familie und seine langjährigen Weggefährten kam sein Tod damit völlig unerwartet.
Wer war Bruno Kramm?
Bruno Kramm war weit mehr als der Keyboarder einer Gothic-Band. Über mehrere Jahrzehnte prägte er gemeinsam mit Stefan Ackermann den Sound von „Das Ich“ und wurde zu einer festen Größe der europäischen Industrial- und Gothic-Szene.

Stefan Ackermann und Bruno Kramm von „Das Ich“ treten am 9. Mai 2009 in Sheffield, England, auf | Quelle: Getty Images

Bruno Kramm bei einem Auftritt am 9. Mai 2009 in Sheffield, England | Quelle: Getty Images

Bruno Kramm bei einem Auftritt am 9. Mai 2009 in Sheffield, England | Quelle: Getty Images
Kramm und Ackermann lernten sich bereits 1986 in der Bayreuther Diskothek Crazy Elephant kennen und spielten anfänglich gemeinsam bei „Dying Moments“. Ende der 1980er-Jahre entstand schließlich „Das Ich“. Das gemeinsame Musikprojekt entwickelte sich Anfang der 1990er-Jahre zu einem der bekanntesten Vertreter der sogenannten „Neuen Deutschen Todeskunst“. Das Genre verband Elemente aus Gothic, Dark Wave, Industrial und Post-Punk mit deutschsprachigen, häufig philosophisch geprägten Texten.
Kramm übernahm dabei nicht nur die Rolle des Keyboarders. Als Komponist, Produzent und Klanggestalter war er maßgeblich am charakteristischen Sound der Band beteiligt. Elektronische Elemente trafen bei „Das Ich“ auf orchestrale Klänge und den markanten, dramatischen Gesang von Stefan Ackermann. Dazu kamen aufwendig inszenierte Auftritte, die zum festen Bestandteil der Identität der Band wurden.
„Das Ich“ wird zum Aushängeschild der Schwarzen Szene
In den 1990er-Jahren machte sich „Das Ich“ auch international einen Namen. Die Band spielte nicht nur in Deutschland, sondern erarbeitete sich eine große Fangemeinde in Europa und feierte auch in Südamerika Erfolge. Zu ihren bedeutendsten Veröffentlichungen gehören unter anderem die Alben „Die Propheten“, „Staub“ und „Egodram“.
Besonders wichtig war auch die Rolle der Band innerhalb der deutschen Gothic-Szene. 1992 trat „Das Ich“ bei der ersten Ausgabe des Wave-Gotik-Treffens in Leipzig auf. Das Festival entwickelte sich später zu einem der bedeutendsten internationalen Treffen der Schwarzen Szene und zählt heute zu den größten Veranstaltungen dieser Art. Für Kramm war die Musik dabei nicht nur ein Beruf. Er prägte die Szene auch hinter den Kulissen.
Neben seiner Arbeit mit „Das Ich“ war Bruno Kramm als Produzent tätig. Mit seinem Label Danse Macabre unterstützte er Künstler aus den Bereichen Gothic, Electro und Dark Wave. Damit hatte er über Jahrzehnte Einfluss auf die Entwicklung der Szene, auch dann, wenn er nicht selbst auf der Bühne stand.
Als Produzent und Klangarchitekt arbeitete Kramm an musikalischen Projekten und half anderen Künstlern dabei, ihre Musik einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Sein Name war damit nicht nur mit einer einzigen Band verbunden. Vielmehr war er über Jahre hinweg an verschiedenen Stellen der Gothic- und Electro-Szene präsent.
Auch politisch engagierte sich Bruno Kramm
Kramms Aktivitäten beschränkten sich zudem nicht nur auf die Musik. Der Familienvater engagierte sich zeitweise auch politisch in Deutschland. Er war unter anderem bei der Berliner Piratenpartei sowie bei Bündnis 90/Die Grünen aktiv. Damit trat er auch außerhalb der Musik öffentlich in Erscheinung.

Bruno Kramm spricht am 5. September 2016 bei einer Diskussionsrunde in der Industrie- und Handelskammer in Berlin | Quelle: Getty Images

Bruno Kramm posiert am 29. März 2014 in Berlin | Quelle: Getty Images

Bruno Kramm im Jahr 2013 in Berlin | Quelle: Getty Images
Sein Schwerpunkt blieb jedoch über Jahrzehnte die Musik. Gemeinsam mit Stefan Ackermann entwickelte er „Das Ich“ von den Anfängen in Bayreuth zu einer international bekannten Formation. Die Geschichte von Bruno Kramm und Stefan Ackermann ist eng mit der Entwicklung von „Das Ich“ verbunden. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits 1986. Nur wenige Jahre später gründeten sie ihr eigenes Projekt.
Was zunächst aus einer gemeinsamen musikalischen Arbeit entstand, entwickelte sich zu einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Kramm war dabei für die musikalische und technische Seite entscheidend. Ackermann prägte mit seinem Gesang und seiner Bühnenpräsenz das Erscheinungsbild der Band.
Gemeinsam wurden sie zu einem der bekannten Namen der „Neuen Deutschen Todeskunst“. Der Stil von „Das Ich“ unterschied sich deutlich von herkömmlicher Popmusik und passte zu einer Szene, die elektronische Musik, düstere Ästhetik und philosophische Texte miteinander verband. Über Jahrzehnte blieb die Formation aktiv und trat auch international auf.
Noch wenige Stunden zuvor auf der Bühne
Besonders tragisch ist der Zeitpunkt von Kramms Tod. Noch am selben Abend hatte der Musiker gemeinsam mit seinem Bandkollegen in Granada ein Konzert gegeben. Für die Besucher war es ein Auftritt wie viele andere zuvor.
Nach dem Ende der Veranstaltung zog sich Kramm in die Garderobe zurück. Dort bemerkte ein Augenzeuge, dass es dem Musiker offenbar nicht gut ging. Kramm soll über Atemnot geklagt haben. Kurz darauf verlor er das Bewusstsein. Der Notruf wurde verständigt. Rettungskräfte und Polizei machten sich auf den Weg zum Konzertsaal. Doch als die Einsatzkräfte eintrafen, war Kramm bereits nicht mehr zu retten. Er wurde nur 58 Jahre alt.
Seine Familie muss nun nicht nur mit dem unerwarteten Verlust umgehen. Auch die Überführung des Leichnams nach Deutschland wird vorbereitet. Dort soll Bruno Kramm seine letzte Ruhe finden.
Tiefe Trauer in der Gothic-Szene
Mit Bruno Kramm verliert die deutsche Gothic- und Industrial-Szene eine Persönlichkeit, die sie über mehrere Jahrzehnte mitgeprägt hat. Sein Einfluss beschränkte sich nicht auf die Musik von „Das Ich“. Als Produzent und Labelmacher unterstützte er weitere Künstler und war damit auch hinter den Kulissen ein wichtiger Teil der Szene.

Stefan Ackermann und Bruno Kramm von „Das Ich“ treten am 9. Mai 2009 im „The Corporation“ in Sheffield, England, auf | Quelle: Getty Images

Bruno Kramm von der Gothic-Industrial-Band „Das Ich“ tritt während des Wave-Gotik-Treffens in Leipzig auf der Bühne auf | Quelle: Getty Images

Die deutsche Dark-Wave-/Gothic-Industrial-Band „Das Ich“ tritt beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig auf | Quelle: Getty Images
Gemeinsam mit Stefan Ackermann hatte er Ende der 1980er-Jahre ein Projekt geschaffen, das weit über die Grenzen der damaligen deutschen Gothic-Szene hinaus bekannt wurde. Von den frühen Auftritten in Deutschland über die Entwicklung der „Neuen Deutschen Todeskunst“ bis zu internationalen Konzerten in Europa und Südamerika begleitete Kramm die Band über Jahrzehnte. Nun endet diese Geschichte mit seinem Tod in Spanien.
Die genauen Umstände des medizinischen Notfalls sind noch nicht bekannt. Nach Angaben der Behörden wird von einer natürlichen Todesursache ausgegangen. Eine strafrechtliche Untersuchung wurde von der spanischen Nationalpolizei nicht eingeleitet.
Bruno Kramm hinterlässt seine Ehefrau, zwei Kinder, seinen langjährigen musikalischen Weggefährten Stefan Ackermann und eine Szene, die über Jahrzehnte von seiner Musik, seinen Produktionen und seinem Engagement geprägt wurde.
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