
Der Vater stritt sich eine Stunde lang mit seiner Teenager-Tochter über ihr Halloween-Kostüm – die Mutter löste das Problem auf ihre eigene Art
30. Oktober 2026

Martha Stewart hat mit ihrer Halloween-Verkleidung eine heftige Diskussion ausgelöst. Die US-amerikanische Lifestyle-Unternehmerin wollte offenbar mit ihrem Kostüm auf ein ernstes gesellschaftliches Problem aufmerksam machen. Doch zahlreiche Menschen empfanden die Aktion als geschmacklos und warfen der 85-Jährigen vor, sich über Menschen in schwierigen Lebenssituationen lustig zu machen.
In den sozialen Netzwerken fielen die Reaktionen teilweise besonders scharf aus. Schließlich sah sich Stewart zu einer Entschuldigung veranlasst.
Halloween ist für Martha Stewart seit vielen Jahren eine Gelegenheit, sich kreativ auszuleben. Die Unternehmerin teilt regelmäßig Einblicke in ihre Dekorationen, Kostüme und Vorbereitungen für das Gruselfest. In diesem Jahr sorgte allerdings nicht eine aufwendige oder besonders ausgefallene Verkleidung für Aufmerksamkeit, sondern eine Aufnahme, die in den sozialen Netzwerken eine kontroverse Debatte auslöste.
Nachdem das Bild ihrer Halloween-Verkleidung veröffentlicht worden war, hagelte es Kritik. Viele Nutzerinnen und Nutzer störten sich daran, dass Stewart eine obdachlose Person darstellte. Sie sahen darin eine Verharmlosung oder sogar Verspottung einer Lebensrealität, die für viele Menschen mit existenzieller Not verbunden ist.
Die Kritik verbreitete sich rasch im Internet. Auch nachdem das ursprüngliche Bild wieder gelöscht worden war, kursierten Screenshots weiter. Auf X teilte unter anderem der Account PopBase die Aufnahme und machte die Diskussion damit einem größeren Publikum zugänglich.
Stewart reagierte zunächst mit einer Erklärung. Sie betonte, dass sie mit der Verkleidung keineswegs Menschen verletzen oder sich über ihre Situation lustig machen wollte. Vielmehr habe sie Aufmerksamkeit auf das Thema Obdachlosigkeit lenken wollen. Das Problem sei eine der größten und anhaltenden gesellschaftlichen Herausforderungen in den USA und liege ihr persönlich am Herzen.
In den Kommentaren auf X wurde schnell deutlich, wie sehr die Verkleidung einige Menschen empörte. Ein Nutzer bezeichnete es als dystopisch, wenn reiche Prominente sich über arme Menschen und deren Schwierigkeiten lustig machten. Ein anderer schrieb, es sei zutiefst verstörend, Obdachlosigkeit als eine Art Rollenspiel oder Kostüm darzustellen. Schließlich handle es sich um echte Menschen und nicht um Figuren, die man für eine Verkleidung nachahmen könne.

Internetnutzer kritisieren Martha Stewart scharf für ihr Halloween-Kostüm | Quelle: X/Rockstar82vansh
Auch die grundsätzliche Entscheidung für ein solches Halloween-Kostüm wurde infrage gestellt. Ein weiterer Kommentar brachte die Verwunderung darüber zum Ausdruck, wie Stewart überhaupt auf die Idee kommen konnte, eine solche Verkleidung für angemessen zu halten.

Internetnutzer hinterfragen die Auswahl des Kostüms | Quelle: X/mailiholtreal
Besonders scharf fiel die Kritik einer Nutzerin aus, der auf die Lebenssituation obdachloser Menschen verwies: Während Menschen tatsächlich darum kämpften, sich Essen oder eine Unterkunft leisten zu können, mache sich eine 85-jährige Frau öffentlich über einen ohnehin besonders verletzlichen Teil der Gesellschaft lustig. Das sei abstoßend und zeuge von einer privilegierten, überheblichen Haltung.

Nachdem Martha Stewart ihr Kostüm öffentlich geteilt hatte, hagelte es Kritik von Internetnutzern | Quelle: X/DKAstrology
Die Kommentare zeigen, dass es vielen Kritikern nicht allein um ein misslungenes Kostüm ging. Sie störten sich vor allem daran, dass eine reale Notlage als Verkleidung inszeniert wurde. Aus ihrer Sicht besteht ein grundlegender Unterschied zwischen einer fiktiven Halloween-Figur und der Darstellung von Menschen, die tatsächlich ohne ein Zuhause leben müssen.
In ihrer ersten Stellungnahme erklärte Stewart, sie sei betroffen darüber, dass ihr Halloween-Kostüm Menschen verletzt habe. Das sei niemals ihre Absicht gewesen. Sie habe vielmehr auf die ernste Situation von Menschen ohne Wohnung aufmerksam machen wollen.
Zudem verwies sie darauf, dass sie bereits viel Zeit und Energie in die Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen investiert habe, die sich gegen Obdachlosigkeit engagieren. Sie wolle sich auch weiterhin dafür einsetzen, etwas zu verändern.

Martha Stewart nimmt am 30. Oktober 2009 in New York City an der 14. jährlichen „Hulaween“-Veranstaltung des „New York Restoration Project“ von Bette Midler teil. | Quelle: Getty Images
Doch diese Erklärung überzeugte längst nicht alle. Einige Kritiker bemängelten, dass Stewart zwar ihr Bedauern darüber ausdrückte, Menschen mit ihrem Kostüm verletzt zu haben, sich aber zunächst nicht ausdrücklich für die Verkleidung selbst entschuldigte. Andere empfanden ihre Begründung, sie habe auf das Problem aufmerksam machen wollen, als unzureichend.
In den sozialen Netzwerken wurde unter anderem kritisiert, dass eine wohlhabende Persönlichkeit wie Stewart die Lebensrealität obdachloser Menschen als Halloween-Verkleidung verwende. Die Kritik richtete sich dabei nicht nur gegen das Kostüm, sondern auch gegen die Frage, ob eine solche Darstellung überhaupt geeignet sei, um auf soziale Probleme aufmerksam zu machen.
Offenbar erkannte Stewart, dass ihre erste Reaktion die Kritik nicht ausgeräumt hatte. Nur wenige Stunden später veröffentlichte sie eine weitere Stellungnahme. Diesmal fand sie deutlichere Worte und räumte ein, dass sie einen Fehler gemacht habe.
„Es fällt schwer, sich einzugestehen, wenn man wirklich Mist gebaut hat“, schrieb sie. Ihre vorherige Erklärung sei nicht weit genug gegangen. Außerdem wisse sie, dass viele Menschen wirtschaftlich unter Druck stünden. Ein Kostüm wie ihres zu tragen, sei „unsensibel und nicht lustig“ gewesen. Abschließend erklärte sie: „Es tut mir wirklich sehr leid.“
Mit dieser zweiten Nachricht übernahm Stewart deutlicher Verantwortung für ihre Entscheidung. Die Reaktionen blieben dennoch geteilt. Während einige Menschen ihre Entschuldigung begrüßten und Verständnis dafür zeigten, dass auch einer prominenten Persönlichkeit ein Fehler unterlaufen könne, hielten andere die Aktion weiterhin für respektlos.

Aufnahme von „Snoop & Marthas Tasty Halloween“ im Jahr 2021 | Quelle: Getty Images
Einige Nutzerinnen und Nutzer verteidigten Stewart hingegen und verwiesen darauf, dass Halloween traditionell auch von ungewöhnlichen und überzeichneten Verkleidungen lebe. Andere fanden, dass die Kritik an der 85-Jährigen übertrieben sei. Die Debatte drehte sich damit nicht nur um ihre persönliche Absicht, sondern auch um die grundsätzliche Frage, wo bei Halloween-Kostümen die Grenze zwischen Humor und der Herabwürdigung anderer Menschen verläuft.
Auslöser der Diskussion war eine Aufnahme, die Stewart an Halloween in einem inzwischen gelöschten Instagram-Beitrag veröffentlichte. Das Bild war Teil einer Bilderreihe, in der sie zugleich für ihre Kerzenkollektion bei QVC warb. In der Bildunterschrift verwies sie auf ihre Produkte und schrieb, dass ihre QVC-Kerzen perfekt für Halloween seien.
Auf der Aufnahme trug Stewart eine Strickmütze und zerschlissene Kleidung. Ihr Gesicht war mit dunklen Schminkspuren versehen, die den Eindruck von Schmutz erwecken sollten. Dazu hielt sie ein Schild mit der Aufschrift „I AM HUNGRY HELP ME!!“ (auf deutsch: „ICH HABE HUNGER HILF MIR!!“) in die Kamera. Zwei Hunde waren ebenfalls auf dem Bild zu sehen.
Gerade die Kombination aus der Darstellung einer obdachlosen Person und der gleichzeitigen Werbung für ihre Produkte stieß vielen Menschen auf. Kritiker empfanden es als unangemessen, eine Situation von Armut und Hunger für eine Halloween-Verkleidung zu verwenden und das Bild in einem kommerziellen Zusammenhang zu veröffentlichen.
Nachdem die Aufnahme für Empörung gesorgt hatte, verschwand der Beitrag wieder. Das hinderte die Verbreitung des Fotos allerdings nicht: Nutzer hatten bereits Screenshots angefertigt und teilten diese weiter. So blieb die Aufnahme auch nach der Löschung des ursprünglichen Beitrags Gegenstand der Diskussion.
Stewart erklärte, sie habe mit dem Kostüm auf die Obdachlosigkeit aufmerksam machen wollen. Sie verwies außerdem auf ihr Engagement für Organisationen, die Menschen ohne festen Wohnsitz unterstützen. Ihre zweite Stellungnahme machte jedoch deutlich, dass sie inzwischen einsah, dass die gewählte Darstellung nicht angemessen gewesen war.
Dass Stewart an Halloween mit Verkleidungen und kreativen Ideen auftritt, ist nicht ungewöhnlich. Die Unternehmerin hat über Jahrzehnte hinweg eine öffentliche Marke rund um Kochen, Wohnen, Dekoration und Gastfreundschaft aufgebaut. Auch Halloween gehört zu den Anlässen, zu denen sie regelmäßig Inhalte veröffentlicht.
Noch am 31. Oktober 2026 hatte sie Bilder von einem anderen Halloween-Auftritt geteilt. Einen Tag zuvor war sie in der US-amerikanischen Fernsehsendung „Today“ zu Gast gewesen. Dort trug sie ein Kostüm mit Bezug zu den Olympischen Spielen. Moderator Craig Melvin verkleidete sich als ihr Freund Snoop Dogg. Stewart erklärte zu den Bildern, dass sie sich gerne verkleide, wenn es ihr voller Terminkalender zulasse.
Umso größer fiel die Aufmerksamkeit für die später gelöschte Aufnahme aus. Statt für eine weitere kreative Halloween-Idee wurde Stewart diesmal vor allem wegen der Darstellung von Obdachlosigkeit kritisiert. Ihre beiden Stellungnahmen zeigen, dass sie die Reaktionen schließlich ernst nahm und ihre ursprüngliche Erklärung für nicht ausreichend hielt.
Ob die zweite Entschuldigung die Diskussion dauerhaft beruhigen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht: Eine Verkleidung, mit der Stewart nach eigener Aussage Aufmerksamkeit auf ein ernstes gesellschaftliches Problem lenken wollte, löste eine Debatte darüber aus, wie Menschen in Not dargestellt werden sollten und wo die Grenzen eines Halloween-Kostüms liegen.

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