
„Meine Tochter ist tot und keiner hat sich entschuldigt“: Ex-Ski-Star Marina Piller bricht ihr Schweigen über den tragischen Tod ihrer Tochter
Für die ehemalige italienische Langläuferin Marina Piller wurde der wohl glücklichste Tag ihres Lebens zu einem unvorstellbaren Albtraum. Sieben Jahre nach dem Tod ihrer Tochter Viola hat die dreimalige Olympiateilnehmerin nun erstmals ausführlich über den Schicksalsschlag gesprochen. In einem Interview erhebt die 41-Jährige schwere Vorwürfe gegen die behandelnden Ärzte und berichtet, dass sie bis heute auf eine Entschuldigung wartet.
Im Gespräch mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ sprach Marina Piller (41) offen über die Ereignisse rund um die Geburt ihrer Tochter am 10. Juli 2019. Gemeinsam mit ihrem Ehemann war sie damals in das Krankenhaus von Tolmezzo in der italienischen Provinz Udine gekommen. Zunächst habe alles nach einer unkomplizierten Geburt ausgesehen.
Komplikationen unmittelbar nach der Geburt
Doch kurz nach der Entbindung änderte sich die Situation nach den Schilderungen der ehemaligen Spitzensportlerin schlagartig.
„Gleich nach der Geburt haben die Ärzte meine Tochter in einen anderen Saal gebracht. Mein Ehemann und ich blieben allein zurück, ohne zu wissen, was gerade passierte. Wenig später kamen die Ärzte zurück und sagten, meine Tochter sei gestorben. Dann sind sie ohne weitere Erklärung aus dem Raum gegangen“, erinnerte sich Piller.
Bis heute habe sich niemand aus dem Krankenhaus bei ihr entschuldigt. Besonders dieser Umstand beschäftigt die ehemalige Langläuferin noch immer. Im Interview sagte sie: „Meine Tochter ist tot und keiner hat sich entschuldigt.“

Marina Piller im Februar 2014 | Quelle: Getty Images
Familie zog vor Gericht
Im Mittelpunkt des Falls steht nach Angaben von Marina Piller ein Sauerstoffmangel des Neugeborenen. Dieser sei vermutlich durch das Abklemmen der Nabelschnur verursacht worden.
Die Familie entschied sich daraufhin, den Fall vor Gericht zu bringen. Das Zivilgericht in Friaul verurteilte schließlich die Gesundheitsbehörde der Universität Friaul Centrale zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von mehr als 800.000 Euro.
Für Marina Piller stand dabei nach eigenen Angaben jedoch nie das Geld im Fokus. „Nichts kann uns unsere Viola zurückbringen. Mein Mädchen hatte das Recht zu leben, wir hatten das Recht, sie aufwachsen zu sehen“, erklärte sie.
Die zugesprochene Entschädigung möchte die Familie nach eigenen Angaben nicht für sich behalten. Stattdessen soll das Geld einem guten Zweck zugutekommen.
Entschädigung soll anderen Familien helfen
Wie Piller erklärte, plant die Familie, die Entschädigungssumme für ein Projekt im Bereich der Behindertenhilfe einzusetzen. Darüber hinaus möchte sie Eltern unterstützen, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben.
Ihr größter Wunsch sei es, dass andere Familien künftig keinen vergleichbaren Verlust erleiden müssen.
Auch sieben Jahre nach dem Tod ihrer Tochter begleitet der Schmerz die ehemalige Spitzensportlerin nach eigenen Angaben noch immer. Dennoch versucht die Familie, ihren Weg weiterzugehen.
Als Viola starb, hatten Marina Piller und ihr Ehemann bereits eine Tochter. Später kamen zwei weitere Kinder zur Welt.

Marina Piller bei einem Wettkampf im Jahr 2013 | Quelle: Getty Images
Erfolgreiche Karriere im Langlauf
Bevor Marina Piller Mutter wurde, hatte sie ihre Karriere als Langläuferin bereits beendet. Drei Jahre vor der Geburt ihrer Kinder verabschiedete sie sich vom Leistungssport.
Während ihrer aktiven Laufbahn gehörte sie zu den bekannten Langläuferinnen Italiens. Sie nahm insgesamt dreimal an Olympischen Spielen teil und feierte auf der Loipe mehrere sportliche Erfolge.

Marina Piller beim 10-km-Einzelrennen der Frauen im Langlauf am 26. Februar 2013 in Val di Fiemme, Italien | Quelle: Getty Images
Heute erinnert sie sich vor allem als Mutter an den Verlust ihrer Tochter Viola. Mit ihrem ersten ausführlichen Interview über die Ereignisse von 2019 möchte Marina Piller nicht nur ihre eigene Geschichte erzählen. Sie verbindet damit auch die Hoffnung, anderen betroffenen Familien Mut zu machen und dazu beizutragen, dass sich ein solches Schicksal künftig möglichst nicht wiederholt.
Trotz der gerichtlichen Entscheidung bleibt für die 41-Jährige eine Erkenntnis bestehen: Keine Entschädigung der Welt könne ihre Tochter zurückbringen. Für Marina Piller und ihre Familie wird Viola deshalb immer einen festen Platz in ihrem Leben behalten – auch sieben Jahre nach ihrem Tod.
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